Wie wechselt man von Windows zu Linux
aus openSUSE, der freien Wissensdatenbank
Inhaltsverzeichnis |
Über
Die meisten von uns, die openSUSE oder eine andere GNU/Linux-Distribution das erste mal installieren, haben seit langer Zeit Microsoft Windows benutzt, viele seit mehr als zehn Jahren. Der Wechsel auf ein komplett anderes Betriebssystem kann daher schwieriger werden, als Sie zunächst denken.
Eines der Hindernisse beim Wechsel von einem Betriebssystem auf ein anderes ist nicht unbedingt das Betriebssystem selbst, sondern meist die Vertrautheit, die ein Nutzer über Jahre mit dem Betriebssystem und den darauf laufenden Anwendungen aufgebaut hat, damit, wie sich Anwendungen und Geräte installieren lassen, wo bestimmte Arten von Dateien gespeichert werden, und so weiter.
Nun, es hilft nichts, so zu tun, als sei der Wechsel von einem Betriebssystem auf ein anderes so einfach wie das Überqueren einer Straße, da Windows und Linux einfach zu unterschiedlich sind; und jeder Unterschied macht das das Leben kurzzeitig etwas schwieriger. Aber trotzdem kann jeder der weiß, wie man Windows nutzt auch Linux nutzen - es bedarf dafür keiner Magie; nur etwas Ausdauer und Lernbereitschaft.
Meistens ist das Abgewöhnen von Microsoft Windows das Härteste am Lernen von Linux.
Einige Tipps für einen einfacheren Wechsel
Installieren Sie die Windows-Versionen von freien/quelloffenen Anwendungen
Von vielen Linux-Anwendungen gibt es auch Windows-Versionen (und in vielen Fällen auch welche für Mac OS X). Sie können sich den Übergang erleichtern, indem Sie Programme benutzen, die auf beiden Plattformen verfügbar sind:
- OpenOffice.org Ein Büroprogrammpaket
- Firefox Ein Web-Browser
- Thunderbird Ein E-Mail-Client
- GIMP Ein Bildbearbeitungsprogramm
- Inkscape Ein vektorbasiertes Grafik- und Zeichenprogramm
- Pidgin Ein Sofortnachrichtenprogramm (Messenger)
- NVU Ein HTML-Editor
- Azureus Ein in Java geschriebenes Tauschbörsenprogramm für das BitTorrent-P2P-Netzwerk
- VLC Media Player Ein hoch portabler Medienspieler
- XChat Ein grafischer IRC-Client
- Scribus Ein Desktop-Publishing-Programm
- Audacity Ein Audioeditor und -rekorder
Durch die Benutzung solcher Anwendungen wird der spätere Übergang von dem einen System auf das andere zu einer unbedeutenden Veränderung.
Überprüfen Sie die Kompatibilität der bestehenden Daten
- Überprüfen Sie die verfügbaren Dateiformate in Ihren Windows-Programmen unter "Speichern unter..." und "Exportieren"
- Sehen Sie sich die verfügbaren Formate in den Dialogen "Öffnen", "Öffnen als" und "Importieren" in den Linux-Anwendungen an. Vergleichen Sie die Verfügbarkeit von bestimmten Dateiformaten, um zu sehen, ob Sie Ihre Dateien auch unter Linux öffnen und bearbeiten können.
- Sehen Sie sich die verfügbaren Dateiformate in Ihren Linux-Programmen unter "Speichern unter..." und "Speichern" an, um zu sehen, ob Sie unter Linux Formate speichern können, die Sie unter Windows verwenden können.
- Der Artikel Vergleichbare Anwendungen zeigt einige gebräuchliche Windows-Anwendungen und die unter openSUSE verfügbaren Alternativen zu diesen Anwendungen.
Probieren Sie die LiveDVD
Das openSUSE-Projekt stellt eine LiveDVD (ab openSUSE 11.0 LiveCDs) bereit. Von dieser können Sie ein komplettes Linux-System booten, ohne die Daten auf ihre Festplatte zu schreiben. Dies ist eine gute Möglichkeit zu überprüfen ob ihre Hardware von Linux erkannt und unterstützt wird. Natürlich ist es auch ein guter Weg um einfach einmal einen Blick auf openSUSE zu werfen. Bedenken Sie, dass das System von der DVD langsamer ist als ein auf der Festplatte installiertes.
Experimentieren Sie mit einem nicht benötigten PC
Die Angst vor Datenverlust oder Beschädigung der Systemeinstellungen hält viele davon ab ihr Betriebssystem näher zu erkunden. Ein Test-PC kann ein gutes Werkzeug sein um andere, wie z.B. Familienmitglieder, davon zu überzeugen, dass Linux eine gute Alternative ist. Alternativ können Sie openSUSE auch unter Windows in einer virtuellen Maschine (VM) installieren, um es gefahrlos auszuprobieren. Das quelloffene VirtualBox ist bspw. kostenlos für Linux und Windows erhältlich.
Vorteile des Wechsels
Um Sie noch einmal zu motivieren etwas Neues zu lernen und eventuell auftauchende Probleme zu lösen, hier noch einmal die Vorteile von GNU/Linux:
Technische Vorteile
- Ein System, unter dem Die Worte Viren und Spyware kein Thema sind.
- Ein sehr stabiles Betriebssystem.
- Bietet 3D-Effekte, Desktop-Suche, Desktop-Widgets und alle anderen Funktionen anderer Betriebssysteme.
- Die Entwicklung ist schnell. Es gibt alle 8 Monate eine neue openSUSE-Version. (alte Versionen können trotzdem weiter genutzt werden. Es gibt keinen Zwang zum Update)
Ökonomische Vorteile
- Sie müssen kein teures Betriebssystem kaufen. openSUSE kann kostenlos heruntergeladen werden und auch die Verkaufsversion ist vergleichbar günstig.
- Sie müssen keine teuren Zusatzprogramme, wie zum Beispiel Office-Anwendungen kaufen.
- Eine Standard-Linux Installation kommt mit vergleichsweise niedrigen Hardware-Anforderungen zurecht. Sie benötigen seltener neue Hardware.
Ethische Vorteile
- Die meisten Anwendungen in openSUSE sind freie und quelloffene Programme. Dieses garantiert die Freiheit der Entscheidung.
- Es stehen qualitativ hochwertige Programme kostenlos und legal zur Verfügung.
- Linux unterstützt offene Standards und Formate. Dieses fördert einen freien Wettbewerb und es kann keine Monokultur entstehen.
Potentielle Probleme
Linux unterscheidet sich von Windows und es bedarf Zeit und Anstrengung, es zu erlernen. Andererseits gibt es nur einen Grund, Windows zu nutzen - es hat mehr Nutzer. Das heißt:
- Für Windows gibt es mehr Programme und Spiele. Photoshop, Dreamweaver, MS Office und beliebte 3D-Spiele sind mit die am häufigsten "vermissten" Anwendungen unter Linux. Es gibt allerdings viele gute Alternativen dazu unter Linux. Auf der anderen Seite gibt es dafür unter Windwos wesentlich mehr Malware (Viren, Werbe-Software, Spionagesoftware, Trojaner, usw.), da die Nutzerbasis wesentlich größer und die Sicherheit traditionell laxer ist.
- Es gibt mehr unterstützte Hardware für Windows. Kein Betriebssystem unterstützt direkt nach der Installation mehr Hardware als Linux - aber für so gut wie alle Hardware gibt es Windows-Treiber. Das ist keine eigentliche Leistung von Microsoft, sondern der Marktmacht von Windows zu schulden, an der kein Hardware-Hersteller vorbei kommt. Unglücklicherweise kann man das nicht über die Hardware-Hersteller sagen, die nicht mit den Leuten vom Linux-Kernel zusammenarbeiten. Trotzdem wird die meiste Hardware von Linux unterstützt und mit jedem Tag, mit dem Linux Marktanteil wächst, wächst auch die unterstützte Hardware-Basis.
- Hilfe zu Windows zu erhalten ist einfach - fast alle kennen und nutzen Windows, so dass es ziemlich einfach ist, im Fall eines Problems jemanden zu finden, der einem hilft. Hingegen kennt nicht jeder Menschen, die Linus nutzen. Trotzdem können Sie im Internet eine Menge Hilfe im IRC, auf Mailinglisten oder in Foren erhalten - oder Sie können zum Treffen ihrer örtlichen Linux Nutzergruppe (LUG, Linux User Group) gehen.

