JackLab/Ardour Techniken
aus openSUSE, der freien Wissensdatenbank
Praktisch kreativ arbeiten mit JAD - Ardour 2
Dies ist ein Begleitartikel zum Beitrag über JAD 1.0 in der LinuxUser 12/07. Aufgrund von Platzproblemen musste unser Beitrag massiv gekürzt werden, was die Nachvollziehbarkeit des mitgelieferten Beispielprojektes für Ardour 2 erheblich einschränken würde. Darum bieten wir hier eine vollständige Erläuterung in Form eines Kurzworkshops an.
Einleitung
Anhand eines kurzen Barocklautenstückes soll der Arbeitsfluss von der Aufnahme bis zum Export als .wav Datei demonstriert werden, wobei ich auch weitere Arbeitstechniken erläutern will, auch wenn die an diesem konkreten Projekt vielleicht weniger Sinn machen.
Als Material dient mir das kurze "Menuet de L'Opera de Prosperine" von Lully, von Charles Mouton für 11-chörige Barocklaute intabuliert, ein leicht spielbares, flottes und eingängiges Stück mit froher Melodie, das aber doch auch etwas Melancholie in sich birgt.Gespielt habe ich es auf einer 12-saitigen Harfenlaute aus dem frühen 20. Jahrhundert, die klanglich eher in der Nähe der Wiener Kontragitarre oder der heutigen Konzertgitarre liegt.
1. Programmstart und Projekterstellung
Nachdem Sie sich also vergewissert haben, dass eine Signalquelle angeschlossen, der Soundkarten-Eingang nicht stummgeschalten und gut ausgesteuert ist und JACK gut konfiguriert ist und auch schon läuft, können Sie Ardour2 starten. In e17 öffnen Sie (per Rechtsklick auf den Desktop) das Menü "Bevorzugte Anwendungen/JackLab/Sequencer" und wählen hier "Ardour2", in KDE finden Sie den Eintrag im Kickoff-Menü, unter "Anwendungen/Multimedia/Aufnahme".
Nun erscheint der Dialog "Projektübersicht". Hier können Sie ein neues Projekt erstellen und für dieses auch gleich einige Voreinstellungen anpassen, eine passende Vorlage einbinden, oder auch ein bereits existierendes Projekt laden. Das brandneue Ardour 2.1 (in der JAD LU edition enthalten) bietet hier übrigens auch die Möglichkeit, über einen dritten Reiter JACK ähnlich bequem wie in qjackctl zu konfigurieren und zu starten, so dass die oben erwähnte Anforderung eines laufenden JACK-Servers entfällt.
Laden Sie nun über den Reiter "Projekt öffnen" das Beispielprojekt. Klicken Sie auf das Schaltfeld neben "Durchsuchen", navigieren Sie zum Verzeichnis "JAD-Beispiele/ardour2/LU-demo" auf der LU DVD, und öffnen die Datei "LU-Demo.ardour".
Ardour bietet die Möglichkeit, den momentanen Zustand des Projekts als Schnappschuss festzuhalten. Ein Schnappschuss ist nichts anderes als eine weitere .ardour Datei im Projektverzeichnis. Dies erleichtert den kreativen Umgang mit Ihrem Audiomaterial enorm, da Sie so z.B. verschiedene Arrangements Ihres Songs erstellen oder einfach mal experimentieren können, ohne bereits gelungene Mixes zu verlieren. Wechseln Sie im Panel rechts von der Leinwand zum Reiter "Schnappschüsse".
Ich habe (ausser dem Basisprojekt) fünf nummerierte Schnappschüsse mit aussagekräftigen Namen angelegt. LU-Demo-1 können Sie ignorieren oder löschen, dies ist eine (überflüssigerweise) erzeugte Sicherheitskopie für das alte Ardour 0.99.x.
2. Aufnahme des Musikstückes
Klicken Sie auf "01: nach Aufnahme", um den Schnappschuss zu laden. Die eigentliche Aufnahme ist schon vor längerer Zeit entstanden. Ich habe mit zwei AKG 460 Kondensatormikrofonen über ein kleines Mischpult auf ein MiniDisk-Standgerät aufgenommen und dabei auch gleich etwas Hall von meinem guten alten Lexicon LXP-5 Multieffektgerät dazugemischt. Das empfiehlt sich im Allgemeinen eher nicht, da man ja einmal beigemischten Hall nachträglich nicht mehr bearbeiten kann, aber diese Aufnahme ist damals eben nur zu Übungszwecken entstanden.
Ich schließe also meinen MiniDisk Recorder über die digitale S/P-Dif Schnittstelle an meine Soundkarte an, und verbinde deren jack-ports (alsa_pcm:capture_11 und 12) über qjackctl mit den Eingangsports der Spur Audio 1.
Nun öffne ich Ardours Mischpult (Alt-M), schalte die Spur "heiss", indem ich den Knopf mit dem kleinen roten Punkt im Trackheader von "Audio 1" anklicke. Eine probeweises Anspielen des MD-Tracks sollte die Pegelanzeige im Mixer aufleuchten lassen. Nun drücke ich noch den grossen roten Aufnahmeknopf im Transportfeld, skippe die Minidisk auf Trackbeginn zurück (Play-Pause Modus), und starte die Aufnahme indem ich zuerst in Ardour die Leertaste, und dann am MD-Player auf Play drücke.
3. Trimmen von Anfang und Ende, Lautstärkeanpassung(Normalisieren) und Korrektur von kleineren Spielfehlern
Laden Sie nun Schnappschuss "02: normalisiert u. kleine Korrektur". Hier habe ich Anfang und Ende der neuen Region getrimmt, um unnötige Stille und Nebengeräusche zu entfernen. Dazu bewege ich den Mauspfeil über den färbigen Balken mit dem Namen unter der Wellenformdarstellung, nahe an Anfang bzw, Ende der Region, klicke und ziehe, und anschliessend die Region an den Projektbeginn schiebe.
Ausserdem habe ich über die kleinen grünen Marker in den oberen Ecken weiche Ein-und Ausblenden erzeugt und die Region per Kontextmenü (Rechtsklick/Regionname/Normalisieren) auf optimalen Pegel gebracht. Will ich später das fertig geschnittene Resultat noch lauter bekommen, so lässt sich das über ein Mastering-Tool wie Jamin, z.B. im Insert des Masterbusses, erreichen.
Auch stört mich noch eine etwas zu lange Pause im Spiel, gleich am Anfang im zweiten Takt. Ich zoome an die Stelle heran (Strg-Mausrad), bringe den Mauszeiger über die Stelle (kurz vor dem nächsten Anschlag), uns trenne die Region mittels "s" in zwei.Teile auf. Jetzt schiebe ich die zweite Region um ein Stück nach links, höre mir das Ergebnis an und korrigiere bei Bedarf noch mal. An der Überlappung entsteht ein weicher Übergang (Crossfade), den Sie über das Kontextmenü (Rechtsklick, Crossfade/Bearbeiten) auch detailliert bearbeiten können. Alternativ ist aber auch eine schnelle Kurve möglich (Menüpunkt Optionen/Crossfades/Kurz).
Auf diese Weise könnte man nun noch einiges an dieser Aufnahme verbessern, man kann ja unschwer etliche Mängel finden, wie (teilweise aber auch beabsichtigte) Zeitschwankungen, zu früh gestoppte Saiten (das Instrument hat ein sehr enges Griffbrett) und ähnliches mehr. Tatsächlich enthält die Aufnahme das Stück ja zweimal nacheinander, was bei so kurzen Stücken auch gängige Praxis ist. Dies gibt uns die Möglichkeit, weniger gelungene Passagen mit deren anderen Vorkommen zu vergleichen, die besten Stellen herauszu"splitten" und per anschliessendem "Strg-Mausziehen" (am besten erst in die benachbarte Audiospur) zu vervielfältigen. Dann splitten wir die Region an der mangelhaften Stelle, ziehen eine Lücke auf und schieben unseren neuen Ersatz dort hinein, so daß wieder leichte Überlappungen für unhörbare Crossfades sorgen.
Um aus der vorliegenden Aufnahme eine perfekte Version zu zaubern, wären wohl viele Stunden (wenn nicht Tage ;)) nötig. Im "echten Leben" würde ich wohl sorgfältig abwägen, ob nicht eine Neuaufnahme die zeitsparendere Vorgehensweise wäre...
4. Effektbearbeitung und Frequenzgang-Korrektur
Der Schnappschuss "03: Effekte" soll den Umgang mit Effekten demonstrieren. Mittels "Alt-M" öffne ich das Mixerfenster. Vor und nach dem Fader befinden sich leere Flächen, die LADSPA Effekte sowie Send- und Insertwege (ähnlich einem Hardware-Mischpult) aufnehmen können. Wieder erreiche ich per Kontextmenü alle relevanten Funktionen, frisch eingefügte Plugins sind erstmal stumm (Bypass) und können gleich hier oder nach Doppelklick auf ihren Namen im Plugin-Editor über den Button "Bypass" aktiviert werden.
Auch dieser Schnappschuss ist als Übung für Sie angelegt, und die gewählten Effekte bzw. deren Parameter sind daher nicht optimal gewählt. Im Vergleich zu der normalisierten Aufnahme klingt das Stück hier zu dumpf und auch zu hallig, zumindest für meinen Geschmack. Spielen Sie mit den Parameterwerten herum, laden Sie andere Plugins und probieren Sie den Klang zu verbessern. Sie können das Stück von mir aus völlig verunstalten und effektmässig "durch den Fleischwolf drehen", mir soll alles recht sein... aber lassen Sie mich gelungene Versionen hören, ich würde mich sehr dafür interessieren. Meine e-mail Adresse finden Sie in der Link-Sektion am Ende dieser Seite.
5. Mixer-Automation am Beispiel Lautstärke und Panorama
Die Schnappschüsse 04 und 05 zeigen den Umgang mit Automation, jeweils für Fader und Panorama. Ich habe bereits Daten aufgezeichnet. Damit Sie diese auch hören können, müssen Sie den Automationsmodus (links neben der Wellenformdarstellung oder im Mixer direkt unter dem Kanalfader) von "Manuell" auf "Play" stellen.
Mit "Write" werden alte Werte überschrieben und auch weiter aktualisiert, während "Touch" nur an Stellen überschreibt, wo neue Daten auftreten, und anschließend weich zur vorher existierenden Automation zurückblendet, Probieren Sie es am besten selber aus... Im Panorama-Beispiel habe ich zudem im Mixer die zwei Panorama-Regler verbunden und mit dem kleinen "Doppelpfeil"-Icon gegenläufig gemacht, um so die Stereobreite bequem per Maus justieren zu können.
6. Export des Projektes als Wave-Datei
Zuletzt möchte ich noch Schnappschuss 02 exportieren und lade ihn noch einmal. Im Menü wähle ich "Projekt/Exportieren/Projekt als Audiodatei exportieren". Das Feld rechts im Dialog enthält eine Matrix, hier aktiviere ich "Links" für "master: out-1" und "Rechts" für "master: out-2". Leider sind die Checkbuttons im Standard Thema nur schlecht sichtbar, Sie können aber über "Fenster/Theme Manager" auf eine hellere Farbgebung umschalten. Mit "Durchsuchen" wähle ich noch Speicherort und Dateinamen, ein Klick auf "Exportieren" löst die Funktion aus. Dies geschieht dank JACK "freewheeling Modus" nicht in Echtzeit. sondern so schnell wie es Ihre CPU ermöglicht. Die entstandene Datei müssen Sie zur Zeit noch nachträglich in ein komprimiertes Format wie .ogg oder .mp3 überführen, ein erweiterter Exportdialog ist aber für den nächsten grossen Versionssprung in Arbeit.
Nachsatz
Somit haben wir unseren Einstieg in Ardour abgeschlossen. Viele weitere Aspekte und Funktionen wie z.B.:
- Synchronisation
- Timestretching
- CD-Erstellung
- Fernsteuerung mittels MIDI-Controller
mussten wir aus Platz- und Zeitmangel diesmal beiseitelassen. Wir hoffen aber, Ihr Interesse geweckt und Sie zu eigenen Experimenten angeregt zu haben.
Die wichtigsten Tastaturkürzel in Ardour
Bearbeitungsmodi: o Objekt-Modus (object mode) r Bereich-Modus (range mode) z Zoom-Modus (zoom mode) g Lautstärken-Modus (gain mode) t Zeitveränderungs-Modus (timeFX mode)
Transportfunktionen: Leertaste Start/Stop l Autoloop Ein/Aus p Wiedergabezeiger zu Mauszeiger Eingabe Wiedergabezeiger zu Editierzeiger Alt-Eingabe Editierzeiger zu Wiedergabezeiger
Editierfunktionen:
s trennen(split) an Editierpunkt
(abh. von Edit-Modus - links neben der rechten kleinen Uhr in der Toolbar)
m Region unter Mauszeiger stummschalten/reaktivieren
Entf. selektierte Objekte entfernen
Sonstiges: Alt-M Mixerfenster öffnen Umschalt-E Editor-Kanalzug für aktuelle Spur einblenden Strg-Z undo Strg-R redo Strg-Mausrad (Maus über Spur) Zoom Umschalt-Mausrad (Maus über Spur) Trackhöhe Strg-Drag&Drop Kopien der selektierten Region(en) anlegen
Links
Die Demo-Session zu diesem Workshop.
Die Ardour Website.
Eine Tabelle mit (fast) allen Tastaturkürzeln und Mausaktionen findet sich im ersten Kapitel des Ardour Manuals. Die dortigen Angaben sind allerdings zur Zeit teilweise veraltet. Zuverlässigere Information, sowie die Möglichkeit, die Tastaturkürzel an eigene Vorstellungen anzupassen, bietet ein Blick in die Datei ~/.ardour2/ardour.bindings.
Ardour mit VST-Unterstützung für JAD selbst bauen.
E-mail des Autors:Edgar Aichinger








