OpenSUSE-Neuigkeiten/Ausblick auf openSUSE 11.0: KDE, Stephan Binner
aus openSUSE, der freien Wissensdatenbank
Dienstag, 17. Juni 2008 von Joe Brockmeier (Quelle
)
Da openSUSE 11.0 in ein paar Tagen erscheint, ist es an der Zeit, einen Blick auf den Hauptdarsteller der Schau zu werfen: KDE. In openSUSE 11.0 bekommen Sie zwei KDEs zum Preis von einem. Hier werden wir uns anschauen was uns in KDE erwartet und wir werden mit Stephan Binner reden, einem von openSUSEs KDE-Entwicklern.
Inhaltsverzeichnis |
Blick auf KDE unter openSUSE 11.0
KDE 4.0.4
KDE 4.0.4 ist die Version von KDE, die mit openSUSE 11.0 ausgeliefert wird. Es unterscheidet sich absolut von KDE 3.5, sowohl an der Oberfläche als auch bei den zu Grunde liegenden Technologien. Dolphin ist der neue Standarddateiverwalter; ein neues und einfacher zu nutzendes Werkzeug, mit dem die Nutzer ihre Dateien verwalten können. (Keine Angst, Konqueror ist immer noch da und steht weiterhin als Web-Browser und erweiterter Dateiverwalter zu Diensten!)
Systemeinstellungen (Systemsettings) ist ein besser nutzbarer Ersatz für KControl und vereinfacht die Systemkonfiguration erheblich. KWin, der KDE-Fensterverwalter unterstützt nun grafische Arbeitsflächeneffekte unter KDE, die sich einfach und ohne Verlust der Fensterverwalterfähigkeiten nutzen lassen.
Die Desktop Shell und die Kontrollleisten wurden komplett neu geschrieben. Das Erste, was KDE-Nutzern in KDE 4 auffallen wird, ist Oxygen, ein neue Ansatz zur Gestaltung von KDE, der ein einheitliches, attraktives Aussehen für alle Schnittstellen, Anwendungen, Symbole und Gestaltungsthemen von KDE 4 mitbringt.
Nach dem Eintauchen in die neue Gestaltung werden die Nutzer die Vorzüge von Plasma, der neuen Desktop Shell, nutzen können. Plasma ist für die komplette Arbeitsflächenerfahrung verantwortlich, von der KDE-Leiste und dem Menü, bis zu den Minianwendungen auf der Arbeitsfläche (Plasmoids genannt), die eine neue Ebene an Funktionaltät in KDE bringen.
KDE 4.0 ist noch nicht bis zum letzten Ende ausgereift und hat immer noch ein paar Ecken und Kanten, und einige der Konfigurationsoptionen und Fähigkeiten von KDE 3.5 fehlen noch. KDE 4.0 war für jene gedacht, die sofort das Neueste haben wollten und für Entwickler, die Anwendungen für KDE 4 schreiben möchten. Während das openSUSE KDE-Team hart daran gearbeitet hat, die Ecken und Kanten zu glätten und fehlende Funktionen nachzuliefern, wird es immer noch Nutzer geben, die lieber erst mal mit KDE 3.5 weiterarbeiten. Sie können beide installieren, sowohl KDE 4 als auch KDE 3.5, so können Sie schon heute die KDE-Arbeitsflächenumgebung der nächsten Generation ausprobieren und immer noch zu 3.5 zurückkehren, wenn Sie möchten.
KDE 4 ist auf der openSUSE KDE LiveCD und auf der DVD verfügbar.
KDE-Anwendungen
KDE 4.0 enthält kein KDEPIM (KMail, KOrganizer, Akregrator, KNode usw.), weshalb openSUSE 11.0 Beta-Versionen der KDEPIM-Anwendungen von KDE 4.1 enthält. Diese Anwendungen laufen recht gut und werden bei Verfügbarkeit über die offiziellen Aktualisierungsdepots in der finalen Version ausgeliefert.
Nicht alle KDE-Anwendungen wurden schon auf KDE4 portiert, weshalb von Programmen wie Amarok, K3b, KOffice oder KNetworkManager noch KDE3-Versionen genutzt werden. Sie integrieren sich so gut wie nahtlos. Eine native KNetworkManager-Minianwendung für KDE4 ist in Entwicklung und wird über openSUSE Build Service-Paketdepots angeboten werden.
Weiterentwicklungen
Das openSUSE KDE-Team hat KDE 4.0 auf verschiedenen Wegen verbessert. So ist es beispielsweise möglich, Minianwendungen in der Kontrollleiste zu verschieben, Kickoff wurde poliert, die Handhabung von Arbeitsflächensymbolen wurde verbessert und es ist möglich, die umstrittene Plasma-Cashewnuss in der Ecke oben rechts über eine Konfigurationsoption in einer Datei zu entfernen.
Standardmäßig wird das Plasma-Thema Aya benutzt. Wenn Sie das offizielle Standard-KDE-Thema in Schwarz bevorzugen, dann ist es nur ein paar Klicks entfernt. Wenn Sie YaST2 unter KDE 4.0 nutzen, verwendet es einen Oxygen-Symbolsatz zur besseren Integration in in KDE 4.0. Darüber hinaus wurde YaST2 auf Qt4 portiert.
KDE 3.5.9
Viele Worte zu KDE 4, aber was ist mit KDE 3.5? KDE 3.5 ist die bekannte und stabile Version von KDE, die den meisten openSUSE-Nutzern seit Jahren vertraut ist. Da KDE 3.5 so beliebt ist, haben wir sichergestellt, dass auf der DVD enthalten ist oder sich nachträglich aus dem Netz installieren lässt, und natürlich ist es auch in der Verkaufsversion enthalten.
Neue Fähigkeiten in KDE 3.5
Seit openSUSE 10.3 hat sich in KDE 3.5 nicht viel verändert, aber es gibt dennoch einige neue, interessante Funktionen. Die KNetworkManager-Minianwendung wurde beispielsweise auf die Nutzung von NetworkManager 0.7 aktualisiert, der Unterstützung für verschiedene erweiterte Netzwerkfunktionen mitbringt. So können beispielsweise statische IP-Adressen eingerichtet oder mehr als eine Netzwerkschnittstelle gleichzeitig genutzt werden.
Verbesserungen in KControl mach es einfach, Compiz oder sogar die KDE4-Version von KWin als Fensterverwalter auszuwählen, die 3D-Arbeitslfächeneffekte unter KDE 3.5 unterstützen.
Natürlich kann sich KDE 3.5 unter openSUSE 11.0 immer noch all der Verbesserungen rühmen, die das openSUSE KDE-Team über die letzten Jahre erstellt hat. Zum Beispiel das Kickoff-Menü, der Sysinfo:/-kioslave, Kerry Beagle um nur ein paar zu nennen.
KDE 4.1
Wie wir bereits ausgeführt haben, ist KDE 4.0 noch am reifen und erfahrene Nutzer können noch die ein oder andere Fähigkeit vermissen. KDE 4.1 wird unter diesen Gesichtspunkten jedoch wesentlich weiter und die Veröffentlichung ist für Ende Juli geplant. Kurz nach der Ankündigung von 4.1 werden Sie es in den openSUSE Build Service Paketdepots finden, wodurch nutzer es via 1-Klick-Installation aktualisieren können — obschon es nicht offiziell unterstützt wird. Wenn Sie aber trotzdem dass neueste und tollste von KDE nutzen möchten, dann sind Sie dadurch dazu in der Lage (und können auch beim Testen helfen!).
Die nächste Ausgabe von openSUSE, openSUSE 11.1, wird etwa im Dezember dieses Jahres erscheinen und direkt ein gründlich getestetes und gut integriertes KDE 4.1.x enthalten.
Gespräch mit Stephan Binner
openSUSE News: KDE 4.0.4 ist die Standard-KDE-Arbeitsfläche in openSUSE. Was hat zu dieser Entscheidung gführt, es an Stelle des stabileren KDE 3.5.9 zu nutzen?
Stephan Binner: Es gibt keine Standardarbeitsfläche unter openSUSE: während der Installation von der DVD wird man nach einer Entscheidung dazu gefragt — ohne Vorauswahl. Wenn Sie eine der installierbaren LiveCDs verwenden, dann treffen Sie ihre Wahl natürlich bereits vor dem Herunterladen.
Zugegeben, es gibt aus Gründen der Ressourcengrenze keine offizielle LiveCD mit KDE 3.5 (vielleicht wird jemand aus der Gemeinscahft ein erstellen?), und wir möchten die Leute dazu anregen, unsere KDE 4.0-basierte Arbeitsfläche auszuprobieren. Außerdem brauchen und möchten wir Nutzerrückmeldungen zur aktiv entwickelten KDE-Serie haben.
openSUSE News: Was waren die größten Herausforderungen bei der Arbeit an KDE für openSUSE 11.0?
Stephan Binner: Viel Arbeit floss in die gleichzeitige Installierbarkeit beider KDE-Versionen, und die Anwendungen von KDE3 funktionieren gut unter KDE4 und anders herum. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil noch nicht alle KDE3-Anwendungen, darunter auch von openSUSE-Teams betreute, auf KDE4 portiert wurden. Viele Überlegungen beschäftigten sich auch mit der feinkörnigeren Paketierung, die einzelne Pakete für einzelne Anwendungen vorsieht, und damit, dass möglichst viele Anwendungen auf die LiveCDs passen.
openSUSE News: Wenn du ein Detail von KDE4 hervorheben solltest, welches wäre es?
Stephan Binner: Plasma. Jeder KDE-Nutzer wird es täglich nutzen und die Veränderungen sind im Vergleich mit KDE 3.5 sehr sichtbar. Das ist sowohl, weil es neue Wege zur Interaktion mit der Arbeitsfläche, den Leisten und den Minianwendungen einschlägt, als auch weil es die jüngste der zentralen neuen KDE4-Besonderheiten ist (Dolphin, Kickoff und Systemeinstellungen existierten vorher schon als KDE3-Versionen).
Wir haben einige Anstrengungen reingesteckt, um Fähigkeiten hinzuzufügen oder rückzuportieren und um Plasma aufzupolieren, damit sein Fäheigkeitensatz mit dem von nicht-KDE Desktop Shells vergleichbar ist. Plasma ist ausßerdem der Teil, bei dem sich die Leistungen, die das Team in die KDE4-Arbeitsfläche gesteckt hat, am sichtbarsten von anderen Distributionen abheben, die bereits KDE4 ausliefern.
openSUSE News: Kannst du beschreiben, wie sich KDE in KDE 4.1 entwickeln wird?
Stephan Binner: Was die Arbeitsfläche angeht, erhält KWin neue Effekte und Plasma reift mit der Einführung eines grafischen Weges zur Konfiguration der Kontrolleisten neben anderen Dingen weiter heran; dazu gibt es einen neuen Ansatz zur Handhabung von Dateien auf der Arbeitsfläche
und ein mächtigeres “Ausführen-Kommando”. Um mehr über die neuen Fähigkeiten einer jeden Anwendung zu erfahren, werfen Sie am besten ein Blick auf den KDE 4.1 Feature Plan
und probieren Sie unsere KDE 4.1 Beta-Paket im Build Service oder meine KDE Four Live CDs aus.
Verschiedene neue Anwendungen werden Teil von KDE 4.1 werden: kdepim 4.1 (Kontact & Co), ein Multimediaspieler (dragonplayer), Ein Hex-Editor (okteta), ein Systemprotokollbetrachter (ksystemlog) und verschiedene Spiele. Sie werden feststellen, dass manches davon bereits in openSUSE 11.0 enthalten ist.
Außerdem, aber nicht mit openSUSE zusammenhängend, werden die beliebtesten KDE-Anwendungen auch auf den Plattformen Windows und Mac verfügbar sein.
openSUSE News: Und zum Schluss noch einige Gründe, warum die Leute openSUSE 11.0 mit KDE installieren sollten?
Stephan Binner: Weil die beiden zur Zeit die Distribution und die Arbeitsfläche mit dem größten Schwung sind. :-)
Danke an Martin Schlander und Jeff Eklund für ihre Mithilfe bei dieser Vorschau.

