OpenSUSE-Neuigkeiten/Ausblick auf openSUSE 11.0: Neue Installation, mit Stepahn Kulow

aus openSUSE, der freien Wissensdatenbank

Donnerstag, 5. Juni 2008 von Francis Giannaros (Quelle )


Ich freue mich, die Vorschauserie auf openSUSE 11.0 ankündigen zu können! Über die nächsten Wochen werden wir einen Blick auf die aufregenden Änderungen und Verbesserungen in openSUSE 11.0 werfen, wobei jeder Artikel ein Gespräch mit einem Entwickler aus dem jeweiligen Bereich enthalten wird.

Heute werden wir einen Blick auf das neue, für openSUSE 11.0 entwickelte Installationsprogramm werfen, das gegenüber unseren vorherigen Versionen bedeutende Verbesserungen mit sich bringt und darüber hinaus verdammt gut aussieht, einfacher fertig zu stellen und wesentlich schneller ist. Wir werden außerdem mit Stephan Kulow reden, KDE-Kernentwickler und openSUSE-Projektleiter.


Inhaltsverzeichnis

DVD-Installation


Zusammen mit der Aufnahme von KDE 4 in das kommende openSUSE 11.0, wurde auch YaST auf Qt4 portiert. Die brachte viele Verbesserungen, inklusive der Möglichkeit, Qt “css-mäßge” Stilvorlagen zur Anpassung des Aussehens von YaST nutzen zu können. Unser Hausgrafiker Jakub ‘Jimmac’ Steiner ließ sich eine tolle Gestaltung einfallen, und zusammen mit Stepahn Kulow wurde sie implementiert.

Die dunkelgrau-grüne Farbgebung wird in openSUSE 11.0 auch für Start- und Bott-Bildschirme verwendet. Ich denke, dass der Leser mit mir darin übereinstimmen wird, dass sie der Distribution ein ausgezeichnetes und glänzendes Aussehen verleiht. Im openSUSE-Wiki finden Sie eine komplette Schritt-für-Schritt-Anleitung der Installation.

Schneller, Einfacher, Intelligenter

Die Installation wurde nicht nur verschönert, sondern erfuhr "unter der Haube" auch strukturelle Änderungen, um sie sowohl einfacher als auch schneller zu machen. Viele Schritte sind nun zusammengefasst oder wurden, wo sie nicht nötig waren, entfernt, was heißt, dass Sie die komplette openSUSE-Installation nun mit nur sieben Klicks über die Bühne bringen können! Einen Überblick über alle Änderungen bietet Kulows Vortrag auf dem diesjährigen FOSDEM (Video, Folien).

Wir sind außerdem zu einer schemaabbildbasierten Installation gewechselt, die die Basisinstallation unheimlich beschleunigt. Die Paketverwaltung wurde signifikant verbessert (was in einem späteren Vorschaubericht behandelt wird). Sie ist nun die schnellste, intelligenteste und zufriedenstellenste ihrer Art, was auch direkte Auswirkungen auf die Installationszeit hat.

Für openSUSE 11.0 haben wir auch einen Wechseln in der Nutzlastkomprimierung der RPMs vollzogen, von bzip2 hin zu LZMA, was zu kleineren RPMs (wodurch auf die Medien mehr Pakete passen und die Transfers kleiner werden) und schnellerem Entpacken (wodurch die Installation der Pakete schneller geht) führt. Allein dieser Wechsel führt in einigen Fällen zu einer 2,6-fach schnelleren RPM-Installation!

All diese Änderungen führen dazu, dass Sie eine komplette openSUSE-Installation in unter 20 Minuten durchführen können!

Live-Installationsprogramm


Eine der wesentlichen Änderungen bei der Medienauswahl bei openSUSE 11.0 ist das Weglassen der 1-CD-Installations-CDs. Sie haben nun die Wahl zwischen der DVD-Installation (mit KDE, GNOME, Xfce und vielem mehr), oder einzelnen Live-CDs mit GNOME oder KDE - von denen beide installierbar sind. Eine komplette Übersicht über die Medienaufteilung finden Sie unter Medienaufteilung/11.0.

Das Live-Installationsprogramm bietet die Annehmlichkeit, die komplette Distribution vor der Installation ausprobieren zu können, und während der Installation können Sie weiter im Internet surfen, ein Spiel spielen, oder ein Dokument bearbeiten.


Gespräch mit Stephan Kulow


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Wie wichtig sind all diese Änderungen am Installationsprogramm für die Distribution selbst?

Ich denke, dass die Installation die Haupdifferenzierung zwischen Distributionen ist. Man mag zwar hoffen, dass dies nicht der Fall ist, weil die Nutzer nach der Installation nichts mehr damit zu tun haben, aber gerade in Zeiten, in denen das Herunterladen einer DVD nur einige Stunden lang dauert, probieren viele Nutzer verschiedene Distributionen aus, und wenn die Installation zu kompliziert ist, werden Sie die DVD mit ihren Lieblingsbildern überschreiben und ohne openSUSE weiter machen.

Der andere Punkt ist, dass viele Nutzer ihre Entscheidung für eine Distribution auf der Grundlage von Testberichten treffen, die sowohl von professionellen Journalisten als auch von Amateur-Bloggern stammen. Und die Installation macht bei solchen Bewertungen meist einen großen Teil aus, vor allem wegen meines ersten Punkts: es ist nicht immer der erste, aber oftmals der größte Unterschied zwischen Distributionen. Die Arbeitsflächen werden beispielsweise wesentlich stärker von den Ursprungsprojekten beeinflusst.

Was wir vor allem erreichen wollten ist Innovation, etwas neues ausprobieren, das es vorher noch nicht gab, und gleichzeitig wollten wir unsere Installation bis zu einem gewissen Punkt erhalten, um nicht diejenigen auszuschließen, die mit unserer bisherigen Installation gut vertraut sind. Ich habe bspw. viele positive Rückmeldungen erhalten, als die ersten Bilder von Alpha2 veröffentlicht wurden, weshalb ich davon ausgehe, dass wesentlich mehr Leute openSUSE ausprobieren werden, als bei den vorherigen Versionen. Ganz einfach deshalb, weil unsere Installation ganz anders aussieht, als andere.

Gleichzeitig glaube ich wirklich, dass viele existierende Nutzer die Vereinfachungen begrüßen werden - zumindest waren die meisten Leute, mit denen ich gesprochen habe, angetan davon.

Was waren die Herausforderungen bei der Verbesserung der Installation?

Das größte Problem: niemand arbeitet gerne am Installationsprogramm. Das von der DVD gestartete System (”Installationssystem”) unterscheidet sich sehr von dem, was Sie bekommen wenn Sie YaST im laufenden System ausführen. So müssen die meisten Probleme auch direkt dort debugged werden. Zu dieser Zeit befindet sich alles im Arbeitsspeicher - weshalb Sie nicht einfach haufenweise Debuggin-Werkzeuge hinzufügen können. Es ist immer eine Notlösung und oftmals müssen Sie sich selbst mit dem Erstellen von Testumgebungen helfen, die versuchen das Verhalten der DVD zu emulieren.

Zum Glück ist dies dank der guten verfügbaren Virtualisierungslösungen nicht so problematisch wie es sich anhört. Trotzdem kann es sehr hart und komplex sein. Wie ein weiser Fürther mal sagte: “Die Aufgabe des Anführers besteht darin, seine Leute von dort wo sie sind, da hin zu bekommen, wo sie noch nicht waren”. So verbrachte ich mehrere Tage damit, mir alles anzueignen und mit Gedanken darüber, was gemacht und was nicht gemacht werden kann und wie wir es verbessern können. Das half, das Team zu motivieren, an bessere Wege zu denken und ich glaube, dass Ergebnis ist sehr vielversprechend.

Waren irgendwelche der Änderungen kontrovers?

Oh ja. Ich glaube alle. :D

Menschen die openSUSE lieben haben dafür verschiedene Gründe. Und wenn Sie etwas lieben, tendieren Sie dazu, die Schwächen zu übersehen und fangen an, auch die Schwächen zu lieben. Und eine Schwäche des Installationsprozesses von 10.3 und davor war, das wir immer nur einfach Dinge hinzugefügt haben. Aber jeder dieser Zusätze fand seine Liebhaber. Alles was wir also veränderten, führte zu “was auch immer ihr macht, Hauptsache X ist noch da” - für viele X.

Wir haben jetzt zum Beispiel sehr früh im Installationsprozess ein Ankreuzfeld “Benutze Automatische Konfiguration”, was zwischen “mach es einfach und schnell, auch wenn ich danach vielleicht noch ein oder zwei Änderungen vornehmen muss” und “ich möchte alles überprüfen, um sicher zu gehen, dass vor dem Start alles richtig ist” umschaltet.

Aber ich denke, die kontroverseste Änderung ist es, vorzuschlagen, dass selbe starke Passwort für den ersten Nutzer und root zu verwenden. Während Studien ergeben haben, dass mehr als 3/4 der Leute es sowieso so machen (diese Studien waren natürlich nicht zu SUSE, sondern zur Passwortnutzung im Allgemeinen), hat der Vorschlag, dies als Standard zu setzen, Bedenken bei vielen Leuten hervorgerufen, die zu schwachen Passwörtern bei Nutzern tendieren. Aber diese Option ist für auf Sicherheit bedachten Leute natürlich auch verfügbar.

Gibt es irgendwelche Pläne für die Zukunft?

Was wir auf jeden Fall verbessern wollen und wozu uns die Zeit fehlte, ist die Partitionierung zu perfektionieren. Windows-Nutzer sind in der Regel mit dem Vorschlag ihres Betriebssystems zufrieden, alle anderen Systeme zu löschen, aber viele Linux-Nutzer bevorzugen es differenzierter. Zugleich ist Partitionierung ein sehr komplexes Thema, mit dem Sie Benutzer leicht erschrecken können. Also sammeln wir im Moment noch Input, was zu tun ist, damit Benutzer einfach verstehen können was geschieht und vielleicht einfachere Kontrolle über die Vorgänge des Installers haben.

Mit so vielen verfügbaren Dateisystemen und Partitionstypen ist es allerdings wirklich schwer, es einfach zu machen. Bleiben Sie also dran.