SDB:Die Bedienung von YaST2 im Textmodus
aus openSUSE, der freien Wissensdatenbank
Version: 8.0
Inhaltsverzeichnis |
Vorbemerkung
Nachdem aus vielerlei Gründen die Weiterentwicklung von YaST1 eingestellt werden mußte, tritt an seine Stelle die textbasierte Version von YaST2. Bis zu SuSE Linux 7.3, also während YaST1 noch existierte, benutzte kaum jemand YaST2-ncurses, obwohl es schon auf den Distributionen war. Viele hatten sich an die Bedienung von YaST1 gewöhnt und sind nun manchmal etwas irritiert, da YaST2-ncurses erstens ein anderes Look-and-Feel mitbringt und zweitens gewohnte Shortkeys aus YaST1 nicht mehr funktionieren. Dieses Kapitel richtet sich v.a. an Systemadministratoren und andere Experten, die Rechner verwalten, auf denen kein X-Server läuft und die somit auf das textbasierte Installationswerkzeug angewiesen sind.
Warum überhaupt und warum so? - Fragen, die viele beschäftigen
Erste Frage: Warum wurde YaST1 abgeschafft?
YaST1 mußte in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden. Der Programmcode war von dem von YaST2 völlig verschieden und es band sehr viele Ressourcen in der Firma, beide ja nicht gerade simplen Programme parallel zu pflegen und weiterzuentwickeln.
Zweite Frage: Warum ist die Bedienung von YaST2 so verschieden von der gewohnten aus YaST1?
Die Gründe hierfür sind sehr unterschiedlich. Hier eine Kurzform der mannigfaltigen Ursachen-Wirkungskette:
Die Vorbedingungen waren:
- YaST2 sollte grafisch und textuell bedienbar sein, mit Erweiterungsmöglichkeit für andere Oberflächen
- Die Dialoge sollten im grafischen und im Textmodus die gleichen sein (Wiedererkennung)
- Aus wirtschaftlichen Gründen sollte sich der Programmieraufwand in Grenzen halten. Es sollte also nicht mehr wie bisher zwei unabhängige Tools mit verschiedenem Code geben, sondern beide Modi sollten auf demselben Code basieren und dieselben Texte enthalten, wodurch natürlich nicht nur der Programmieraufwand, sondern auch der Testaufwand enorm reduziert werden konnte.
Aus den Bedingungen ergaben sich folgende Notwendigkeiten:
- Die Programmierung der Oberfläche erfolgte zunächst in einer Art "Zwischensprache"
- Diese Zwischensprache wurde danach in Qt (KDE) und ncurses (Text) übersetzt. (Weitere Konvertierungen z.B. nach Gnome oder webbasiert sind möglich, wurden aber bisher nicht realisiert.)
Aus Bedingungen und Notwendigkeiten resultierten leider folgende Probleme:
- Die Bedienung von grafischen und textuellen Oberflächen, sind, ergonomisch möglichst günstig gestaltet, grundlegend verschieden.
- Verschiedene Terminals können Tastendrücke unterschiedlich wiedergeben. So wird z.B. SHIFT+TAB oft nur als TAB ausgegeben.
- Tastenshortcuts mit ALT+TasteXY werden auf ncurses als ESC+TasteXY gemeldet. Daher konnte die ESC-Taste nicht alleine verwendet werden, da immer ein weiteres Zeichen folgen muss.
- Läuft auf einem System ein X-Server und YaST2 wird unter einem X-Windowmanager im Textmodus gestartet, sind möglicherweise die ALT-Tastenkombinationen in der Windowmanagerkonfiguration schon vergeben. In dem Fall funktionieren die Shortcuts nicht.
Wir sind bemüht bzw. arbeiten fieberhaft daran, für die nächste Distribution eine Lösung für diese ergonomischen Probleme zu finden.
Bedienung
Die Bedienung ist zwar ungewohnt, aber sehr einfach. Mit den Tasten sind TAB, ALT+TAB, Leertaste, Pfeiltasten und RETURN sowie mit Shortcuts läßt sich im Prinzip das ganze Programm bedienen. Wenn Sie YaST2 im Textmodus starten, erscheint zuerst das Hauptfenster (s.Abb. 1)
Sie sehen hier drei Bereiche: In der linken Spalte sehen Sie die Kategorien, in denen die verschiedenen Module eingeordnet sind. Rechts sind die jeweiligen Module der Kategorie (jener, die mit einem (x) ausgewählt ist) in einem weißen Rahmen. Unten sind die beiden Buttons zum verlassen bzw. zum Starten des im rechten Rahmen markierten Moduls.
Nach dem Start steht der Cursor auf dem obersten Feld ("Alle") bzw. ist dieses Feld farbig (i.d.R.grün) unterlegt. Ausgewählt ist jedoch "Software", erkenntlich an dem "x" in der Klammer. Mit der TAB-Taste wechseln Sie nun in der linken Spalte von einem Punkt zum nächsten. Sie aktivieren die Kategorie, die grün unterlegt ist, mit der Leertaste. Sie sehen dann, dass im rechten Rahmen die jeweiligen Module dieser Kategorie erscheinen.
Drücken Sie nun so oft die TAB-Taste, bis der dünne weiße Rahmen rechts verstärkt hervortritt. Alternativ können Sie im Regelfall (s.u.) auch mit der Tastenkombination ALT+TAB zurückspringen. Jetzt haben Sie den Kategorie-Bereich verlassen und befinden sich in dem rechten Fenster, um ein Modul zum Starten auszuwählen. Hier bewegen Sie sich nun mit den Pfeiltasten zwischen den Modulen hin und her. Ist Ihr gewünschtes Modul grün unterlegt, verlassen Sie mit der TAB-Taste den Modulrahmen und landen unten auf "Verlassen". Hier können Sie YaST beenden. Ein weiterer Druck auf die TAB-Taste bringt Sie zum Button "Starten". Hier starten Sie nun mit "Return" das ausgewählte Modul. Verschiedenen Buttons oder Auswahlfelder enthalten auch einen andersfarbigen (bei Standardeinstellungen gelben) Buchstaben. Mit der Kombination ALT+"gelberBuchstabe" können Sie den jeweiligen Button ohne umständliche TAB-Navigation direkt anwählen.
Einschränkung der Tastenkombinationen
Sollten auf Ihrem System bei laufendem X-Server systemweite ALT-Tastenkombinationen bestehen, kann es sein, dass die ALT-Kombinationen im YaST2 nicht funktionieren. Zum Zurückspringen können Sie dann anstatt ALT+TAB alternativ die Kombination STRG+B benutzen (falls diese nicht auch belegt ist). Die Benutzung der Shortcuts für die Buttons mit gelb unterlegten Buchstaben funktioniert möglicherweise dann auch nicht. Sie können dann nur mit TAB und STRG+B navigieren. Auf einer reinen Textkonsole sollten allerdings die ALT-Tastenkombinationen stets zur Verfügung stehen.
Bedienung der Module
Die Bedienung der einzelnen Module funktioniert analog der Bedienung des Hauptfensters. Mit TAB und ALT+TAB (bzw. STRG+B) navigieren Sie jeweils zwischen den Buttons und/oder den Rahmen hin und her. In einem aktivierten Rahmen springen Sie immer mit den Pfeiltasten zwischen den einzelnen Elementen. Die Auswahl von Buttons mit einer leeren eckigen Klammer oder auch das Anwählen von Paketen bei der Paketinstallation erfolgt mit der Leertaste und das Anwählen der Buttons am unteren Rand stets mit der Return-Taste, wenn Sie ausgewählt (grün unterlegt) sind, bzw. schneller mit der Kombination ALT+"gelbeTaste".
Abb. 2: Das Modul zur Softwareinstallation
Aufruf der einzelnen Module
Zur Zeitersparnis lässt sich jedes der YaST-Module auch einzeln aufrufen. Gestartet werden die Module einfach mit dem Aufruf
yast <modulname>
So startet man z.B. das Netzwerkmodul mit
yast lan
Eine Liste aller Modulnamen, die auf Ihrem System zur Verfügung stehen, erhalten Sie mit dem Aufruf
yast -l
oder
yast --list
Das YaST Online Update
Auch das YaST Online Update (YOU) lässt sich von der Konsole aus steuern und aufrufen. Die Anleitung dazu findet sich im Basis-Handbuch zu SuSE Linux 8.0 auf den Seiten 114-116 (deutsch) und S. 98-100 (englisch). Als Administrator kann man damit leicht einen wöchentlichen Cronjob aufsetzen, womit das System per YOU dann immer auf dem neuesten Stand bleibt.
Der Cronjob für YOU
Da nicht jeder, der YOU benutzen will/muss, mit dem Aufsetzen eines Cronjobs vertraut ist, folgt hier eine kurze Anleitung. Prinzipiell existieren zwei verschiedene Möglichkeiten für einen Cronjob. Hier soll die einfachere beschrieben werden. Folgende Schritte sind nötig:
- Werden Sie root
- Starten Sie den Crontabeditor mit crontab -e
- Tippen Sie i für den Insertmodus des gestarteten vi
- Geben Sie folgende Zeilen ein:
MAILTO="" 13 3 * * 0 /sbin/yast2 online_update .auto.get 53 3 * * 0 /sbin/yast2 online_update .auto.install
Die ersten 5 Stellen der beiden unteren Zeilen bedeuten jeweils von links nach rechts:
13=Minuten, 3=Stunden, *=Tag des Monat ist egal, *=Monat des Jahres ist egal, 0=Sonntag
Das heißt also, der erste Eintrag startet den Cronjob jeden Sonntag um 3 Uhr 13 nachts. Der zweite dann immer 40 Minuten später, um 3 Uhr 53.
Die Zeile MAILTO="" verhindert, dass root die Ausgabe von YaST2-ncurses als Mail erhält. Das kann natürlich auch weggelassen werden.
ACHTUNG: Laden Sie sich vor der Einrichtung des Cronjobs unbedingt den neuesten Update-Patch des YOU-Paketes, in dem ein wichtiger Bug zur Kommandozeilenbedienung gefixt wurde, mit YOU herunter und installieren Sie ihn. Geben Sie willkürlich die Uhrzeiten für die Cronjobs ein, also bitte nicht unbedingt die Zeiten aus obigem Bespiel, da sonst zu diesem Zeitpunkt der FTP-Server sofort überlastet bzw. die Höchstzahl der gleichzeitig erlaubten Zugriffe überschritten wäre.
- Speichern Sie den Cronjob ab mit (jeweils nacheinander eingeben)
Esc :wq oder mit Esc ZZ
Fertig, der Cron-Daemon wird automatisch neu gestartet und Ihr Cronjob steht in der Datei /var/spool/cron/tabs/root.
Keywords: yast | ncurses | console | konsole | text | cron | cronjob


