Xgl unter SUSE Linux verwenden

Aus openSUSE

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Wir haben versucht, die Installation und Konfiguration von Xgl/Compiz unter SUSE Linux 10.1 und SUSE Linux Enterprise Desktop 10 recht einfach zu gestalten (vor allem im Vergleich zur Nutzung von Xgl unter älteren Versionen von SUSE Linux). Trotzdem sind dies noch ziemlich junge Programme mit Ecken und Kanten. Dieser Artikel beschreibt, auf was Sie bei der Einrichtung von Xgl unter SUSE Linux achten müssen und auf welche Probleme Sie dabei stoßen können.

Die aktuellen Pakete besorgen

Seit der Veröffentlichung von SUSE Linux 10.1 und der Freigabe des zweiten Veröffentlichungskandidaten von SLED 10 haben die Pakete von Xgl einige wichtige Aktualisierungen erfahren.

Sie können die neuesten Versionen der Pakete aus der SUSE Factory Distribution erhalten. Laden Sie sich die aktuellsten Pakete von Xgl und Compiz aus der i586- oder der x86_64-Sektion herunter; dass Paket xgl-hardware-list finden Sie in der noarch-Sektion.

(Sobald SLED 10 offiziell veröffentlicht wurde, werden die Pakete in der Factory Distribution größeren Änderungen unterzogen, weshalb Sie dann nur noch die offiziellen Paketaktualisierungen für ihre jeweilige Distribution verwenden sollten.)

Eine alternative Quelle für Compiz-Pakete war bis Mitte September 2006 die Entwickler- und Nutzergemeinde auf compiz.net. Diese Entwicklergruppe spaltete sich aber am 18. Spetember vom Compiz-Projekt ab und entwickelt von da an einen eigenen kombinierten Fenster- und Überlagerungsverwalter unter dem Namen Beryl. Compiz-Quinncvs-Pakete für SUSE Linux 10.1 finden Sie noch im dazugehörigen Build-Service-Depot von openSUSE, diese werden aber nicht mehr weiterentwickelt. Die Quinncvs-Pakete enthalten ebenso wie die neuen Pakete des Beryl-Projekts auch experimentelle Erweiterungen, welche die offiziellen openSUSE-Pakete nicht mitbringen. Das Beryl-Projekt will darüber hinaus auf der Grundlage von Compiz eigene Wege gehen, weshalb die Projekte nach einiger Zeit nicht mehr absolut vergleichbar sein werden. Mehr Informationen zu Beryl erhalten Sie auf der dazugehörigen Wiki-Seite.

Einrichtung

Xgl wird nicht automatisch aktiviert wenn Sie es installieren. Um es einzuschalten starten Sie das "Desktop Effects" Kontrollfeld. (Verfügbar im Kontrollzentrum von GNOME, oder indem Sie den Befehl gnome-xgl-settings in einer Konsole oder mit "Befehl ausführen..." unter KDE aufrufen.)

Desktop Effects wird ihr System analysieren und versuchen festzustellen, ob Sie Xgl benutzen können oder nicht. Wenn es Probleme feststellt wird es versuchen, ihnen mögliche Lösungswege aufzeigen.

Unterstützte und nicht unterstützte Grafikkarten

Novell hat eine Auswahl populärer Grafikkarten und auf Hauptplatinen integrierte Grafikchips von ATi, Intel und nVidia daraufhin überprüft, welche davon gut mit Xgl zusammenarbeiten. Das Werkzeug "Desktop Effects" wird ihnen eine der vier folgenden Einschätzungen liefern:

Your graphics card is supported 
Xgl sollte gut funktionieren.
Your graphics card will not work with Xgl 
Desktop Effects wird das Aktivieren von Xgl nicht ermöglichen falls ihre Grafikkarte entweder (a) keine 3D-Beschleunigung unterstützt oder (b) dafür bekannt ist, dass sie Xgl zum Absturz bringt oder den Bildschirminhalt bei Grundoperationen verstümmelt.
Your graphics card is not supported, but may work. 
Die Grafikkarte ist nicht komplett nutzlos mit Xgl, ist aber wahrscheinlich recht langsam oder führt eventuell zu Abstürzen oder Bildfehlern bei der Durchführung von komplizierten Effekten (bspw. beim Drehen des Würfels während des Abspielens eines Vollbildvideos).
Your graphics card is not in Xgl's database. 
Desktop Effects wird Sie nach besten Kräften bei der Einrichtung von Xgl unterstützen, was erfolgreich sein könnte oder nicht. Es werden weiterhin neue Karten getestet und bei ausreichenden Informationen aktualisierte Versionen des Pakets xgl-hardware-list veröffentlicht.

In manchen Fällen stammen die Probleme von Fehlern in Xgl oder den Grafikkartentreibern. Benutzen Sie deshalb immer die aktuellesten Versionen der relevanten Pakete.

3D-Beschleunigung

Die nächste Information die ihnen Desktop Effects mitteilt, ist die Verfügbarkeit der 3D-Beschleunigung ihrer Grafikkarte. Bei manchen Karten wird diese automatisch aktiviert, bei anderen müssen Sie weitere Schritte zur Aktivierung unternehmen. Desktop Effects wird ihnen dabei helfen so gut es kann.

Aktivieren der 3D-Beschleunigung mit Intel-Chips

Bei unterstützten Intel-Chips lässt sich die 3D-Beschleunigung einfach durch das Setzen einer Option in SaX2 aktivieren. Falls Desktop Effects feststellt, dass die 3D-Beschleunigung nicht aktiviert ist, wird es ihnen anbieten, SaX2 zu starten, damit Sie diese aktivieren können. In der originalen Ausgabe von SUSE Linux 10.1 werden Sie im Moment noch beim Klick auf "Run SaX2" zu SaX2 geschickt, wo Sie dann die richtige Option aktivieren müssen (am unteren Rand des Fensters). Mit neueren Paketen werden die Einstellungen beim Drücken auf "Run SaX2" automatisch mit Hilfe von libsax vorgenommen.

Aktivieren der 3D-Beschleunigung mit Grafikkarten von ATi und nVidia

Alle unterstützten Grafikkarten von ATi und nVidia benötigen für 3D-Beschleunigung proprietäre Treiber des jeweiligen Herstellers. Falls Desktop Effects feststellt, dass Sie den Treiber nicht installiert haben, wird es ihnen anbieten, dass Werkzeug zur Softwareaktualisierung zu starten, um den Treiber für Sie zu installieren.

Bei SLED10 sollte das funktionieren, wenn Sie sich während der Installation bei Novell registriert haben. Falls Sie das bis dahin noch nicht gemacht haben, können Sie das mit der "Novell Kundenzentrum Konfiguration" in YaST durchführen. Damit werden die Paketdepots für die Treiber von ATi und nVidia zu ihren Installationsquellen für YaST/ZMD hinzugefügt, so dass Desktop Effects die benötigten Pakete finden kann.

Bei SUSE Linux 10.1 erledigen Sie das Einrichten der Treiber am einfachsten, indem Sie die Treiber von Hand installieren bevor Sie Desktop Effects laufen lassen. Sie können die Treiber von ATi auf http://www2.ati.com/suse/ finden und die von nVidia auf ftp://download.nvidia.com/novell/. (Alternative Installationsanweisungen für die Binärtreiber können Sie auf http://www.suse.de/~sndirsch/ finden.)

Falls Sie eine Grafikkarte von ATi besitzen, müssen Sie verschiedene Einstellungen in der Datei /etc/X11/xorg.conf vornehmen, damit Xgl einwandfrei funktioniert. Die Version von Desktop Effects, welche mit SUSE Linux 10.1 ausgeliefert wird, verändert diese Optionen nicht von selbst. Dies ist einer der Gründe, warum Sie zuerst die Pakete aus der Factory Distribution installieren sollten, bevor Sie versuchen, Xgl zu aktivieren. Im Artikel "Xgl unter älteren Versionen von SUSE Linux verwenden" erfahren Sie mehr über die notwendigen Änderungen, welche Sie vornehmen müssen, falls Sie die Pakete aus der Factory Distribution nicht installieren können.

Aktivieren der 3D-Beschleunigung mit anderen Grafikkarten

Falls Desktop Effects ihre Grafikkarte nicht erkennt, könnte es denken, dass die 3D-Beschleunigung nicht aktiviert ist, obwohl Sie sicher wissen, dass sie aktiviert ist. Da Desktop Effects Sie Xgl nicht einschalten lässt solange keine 3D-Beschleunigung aktiviert ist, kann dies ein Problem sein.

Um die automatische Erkennung der 3D-Beschleunigung zu umgehen, halten Sie die Umschalttaste gedrückt und klicken Sie dann doppelt auf das Wort "Disabled" neben "3D Acceleration". Machen Sie das aber bitte nur, wenn die 3D-Beschleunigung wirklich aktiviert ist. (Nebenbei: Sie können das auch machen, wenn ihre Grafikkarte als nicht unterstützt angezeigt wird, allerdings wird das noch weniger empfohlen.)

Ein- und Ausschalten von Xgl

Wenn Sie eine unterstützte (oder zumindest "benutzbare") Grafikkarte haben und die 3D-Beschleunigung aktiviert ist, sollte der Knopf unten im Fenster mit "Enable Desktop Effects" beschrieben sein. Das Drücken dieses Knopfes wird, nachdem Sie nach dem root-Passwort gefragt wurden, Xgl auf ihrem Computer einrichten und Sie dann abmelden um den X-Server neuzustarten.

Falls Sie später mal kein Xgl mehr verwenden wollen, können Sie wieder Desktop Effects starten um es zu deaktivieren, was den ganzen Prozess wieder umkehrt.

Sollte aus irgendwelchen Gründen der Anmeldebildschirm nicht mehr erscheinen, nachdem Sie versucht haben Xgl zu aktivieren, können Sie den Befehl gnome-xgl-switch --disable-xgl als root ausführen, um Xgl von der Kommandozeile aus zu deaktivieren. (Wahrscheinlich müssen Sie dann auch noch mit rcxdm den X-Server und den Anmeldeverwalter neu starten.)

Compiz benutzen und konfigurieren

Compiz ist der Fenster- und Überlagerungsverwalter für Xgl, welcher all die Effekte zur Verfügung stellt, die mit Xgl in Verbindung gebracht werden.

Um das neue Compiz-Fusion zu verwenden, halten Sie sich bitte nicht an die folgenden Hinweise, sondern fahren Sie unter Compiz Fusion fort.


Compiz mit GNOME verwenden

Wenn Sie zuvor Metacitiy als Fensterverwalter in GNOME verwendet haben (die Standardeinstellung), sollte bei ihnen nach einer Neuanmeldung automatisch auf Compiz umgeschaltet werden, nachdem Sie Xgl aktiviert haben. Compiz benutzt standardmäßig größtenteils die selben Tastenkürzel wie Metacity für viele Operationen wie das Bewegen von Fenstern oder Größenveränderungen usw. Falls Sie diese Kürzel geändert haben, kommen Sie leider nicht darum herum, diese für Compiz ein weiteres Mal anzupassen. Genauso müssen Sie Änderungen beim Fensterverhalten ebenfalls nochmal neu einstellen.

Compiz mit KDE verwenden

Standardpakete

Stellen Sie zuerst sicher, dass sie sich ganz normal in KDE angemeldet haben. Wählen Sie im K-Menü "Persönliche Einstellungen", dort dann "Arbeitsfläche" und da wiederum "Fensterleiste". Setzen Sie dort dann einen Haken bei "Die Fenster von allen Arbeitsflächen anzeigen". (Zur Zeit ist das notwendig, damit die Fensterleiste unter Compiz richtig funktioniert.)

Sie müssen nun zwei Dateien erstellen um KDE mitzuteilen, dass Sie einen anderen Fensterverwalter als KWin verwenden wollen. Starten Sie dafür die Konsole und geben Sie dort die folgenden Befehle ein, sie müssen dafür über das root-Passwort verfügen.

su
echo "/usr/bin/compiz gconf & /usr/bin/gnome-window-decorator &" > /usr/local/bin/compiz.sh bis SUSE Linux 10.1
echo "/usr/bin/compiz gconf & /usr/bin/kde-window-decorator &" > /usr/local/bin/compiz.sh ab openSUSE 10.2
chmod +x /usr/local/bin/compiz.sh
echo "export KDEWM=/usr/local/bin/compiz.sh" > /opt/kde3/env/compiz.sh
chmod +x /opt/kde3/env/compiz.sh

Hiermit wird global festgelegt, dass KDE nun Compiz als Fensterverwalter nutzen soll. Die Änderungen werden nach einem Neustart von KDE aktiv. Wenn nur einzelne Nutzer Compiz verwenden wollen, dann müssen Sie die letzten beiden Befehle anpassen, indem Sie /opt/kde3/env durch /home/benutzer/.kde/env ersetzen. Gegebenenfalls müssen Sie erst noch die entsprechenden env-Verzeichniss für die jeweiligen Nutzer anlegen.

Lesen Sie auch den Abschnitt über KDE bei den XGL Problemlösungen.

Compiz-Quinn-Pakete

Stand 16.09.2006
Die Quinn-Pakete werden seit Mitte September 2006 nicht weiterentwickelt und sind im ausgegründeten Projekt Beryl aufgegangen.

Für den Fall, dass man die neusten Compiz-Quinn Pakete installiert hat, ist die Konfiguration sogar noch etwas leichter. Wie oben muss eine Textdatei angelegt werden: /home/MEINBENUTZER/.kde/Autostart/compiz.desktop

der Eintrag unterscheidet sich jedoch ein wenig von dem der default Pakete:

[Desktop Entry]
Encoding=UTF-8
Exec=/usr/bin/compiz-start.py
GenericName[en_US]=
StartupNotify=false
Terminal=false
TerminalOptions=
Type=Application
X-KDE-autostart-after=kdesktop

Es sei angemerkt, dass sich in dem Compiz-Paket aus dem Quinn-Depot ausser compiz auch noch ein im Aussehen voll anpassbarer, themenbasierter Fensterdekorateur befindet (cgwd=common generic window decorator), es muss also nicht auf den gnome-window-decorator zurückgegriffen werden. Konfigurationsoberflächen für cgwd, wie auch das Konfigurationsprogramm csm für compiz und seine PlugIns können direkt über das Compiz-Symbol im Systembereich der Kontrollleiste aufgerufen werden. Es ist zu beachten, dass dieses Systemleistensymbol in Python geschrieben ist. Es sollte daher darauf geachtet werden, dass die Pakete python, python-gtk, python-gnome und python-gnome-extras installiert sind (via YaST oder Smart).

Compiz konfigurieren

Desktop Effects kann nicht nur zum Ein- und Ausschalten von Xgl genutzt werden, sondern auch zur Konfiguration verschiedener Einstellungen von Compiz und seinen Plugins. Starten Sie es wie zuvor (über das Kontrollzentrum von GNOME oder über die Kommandozeile) und schauen Sie sich die Optionen unter "Window Effects", "Desktop Cube" und "Other Features" an. Sie können bspw. wabbelnde Fenster ein- oder ausschalten, die Anzahl der virtuellen Arbeitsflächen auf dem Würfel ändern und die Bildschirmecke auswählen bei deren Berührung der Fensterauswähler aktiviert wird.

Wie schon weiter oben beschrieben werden manche Tastenkürzel und Fenstereinstellungen stattdessen im GNOME-Kontrollzentrum eingestellt.

Einige der obskureren (oder später hinzugefügten) Einstellungen von Compiz können nicht mit Desktop Effects verändert werden. Genauso können keine Einstellungen für Compiz-Plugins von Drittanbietern bearbeitet werden. Mit dem gconf-editor ("GNOME Konfigurations-Editor" in den Menüs von SUSE Linux 10.1 oder dem SLED Application Browser) können Sie unter "/apps/compiz/" auf alle Einstellungen von Compiz zugreifen. Dort (und auf der Seite von Compiz in diesem Wiki) werden die verschiedenen Einstellungen auch kurz erklärt.

Problemlösungen

Für weitere Informationen über Xgl und Compiz lesen Sie bitte die dazugehörigen Wiki-Einträge. Falls Sie bei der Einrichtung von Xgl Probleme haben, lesen Sie auch den Artikel "Xgl Problemlösungen". Falls Sie mehr Unterstützung benötigen besuchen Sie doch mal #Xgl auf irc.freenode.org.